Fragen & Antworten
Experten-Interview mit Dr. med. Johannes Springer
Herr Dr. Springer, was kann man tun, um eine Vergrößerung der Prostata zu vermeiden?
Gegen die Vergrößerung an sich kann man leider nichts tun. Ab dem 50. Lebensjahr haben fast alle Männer eine vergrößerte Vorsteherdrüse - trotzdem haben nicht alle deswegen Beschwerden. Das Beste ist, ab 45 regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.
Doch obwohl die Vorsorge von den Krankenkassen bezahlt wird und die Tastuntersuchung völlig unkompliziert und schmerzfrei ist, nehmen sie nur 15 Prozent der Männer wahr. Leider! Dabei kann das Risiko, dass die Prostata unbemerkt wächst, durch die Früherkennung ganz drastisch reduziert werden. Deswegen kann man nur immer wieder predigen: Bitte einmal im Jahr zur Vorsorge gehen. Schließlich gibt es auch für den Prostatakrebs keine Frühwarnzeichen. Durch regelmäßige Kontrolle kann er aber so früh wie möglich entdeckt werden - und damit steigen die Heilungschancen.
Gibt es denn einen Zusammenhang zwischen der vergrößerten Vorsteherdrüse - von Urologen auch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet - und Prostatakrebs?
Prostatakrebs tritt wesentlich seltener auf als die gutartige Form der Prostatavergrößerung. Und im Gegensatz zur BPH ist er relativ altersunabhängig. Da Prostatakrebs am Anfang aber ähnliche Symptome haben kann wie die gutartige Vergrößerung der Prostata - wenn er überhaupt Beschwerden verursacht -, ist Vorsorge eben so wichtig.
Kann eine Vergrößerung der Prostata geheilt werden?
Geheilt, im Sinne von rückgängig gemacht werden, kann sie nicht. Aber es gibt heute viele gute Möglichkeiten, sie zu behandeln, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und beispielsweise ihre Probleme beim Wasserlassen zu beseitigen.
Wann muss operiert werden?
Wenn die Beschwerden durch die Prostatavergrößerung für den Betroffenen zu belastend sind, beispielsweise dann, wenn die Blase nicht mehr auf normalem Weg entleert werden kann und ein Dauerkatheter gelegt werden muss. Operiert werden muss aber auch, wenn mehrfach eine größere Menge Restharn nachgewiesen wird und Blase und Niere dadurch in Gefahr sind.
Kann ich nicht versuchen, die Beschwerden erst mal mit pflanzlichen Arzneimitteln in den Griff zu bekommen?
Wenn Sie trotzdem zum Arzt gehen und die Ursachen Ihrer Beschwerden abklären lassen, können Sie das natürlich versuchen. Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Arzneimittel zur Behandlung der Beschwerden durch eine vergrößerte Vorsteherdrüse. Sie sind recht wirksam und vor allem auch gut verträglich. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese pflanzlichen Mittel nur die Beschwerden lindern. Das weitere Wachstum der Drüse kann nur mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verlangsamt oder aufgehalten werden.
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